Portugal - Algarve 2022
 Portugal - Algarve 2022

Reisen mit Krümel

auf der Suche nach dem gemeinsamen Rentenabenteuer

Es ist der gleiche Hund, der schon vor 14 Jahren mit mir einen Roadtrip durch Skandinavien und Amerika gemacht hat. Und doch nicht mehr der Gleiche. Damals saß Krümel hinter mir im Fahrradhundekorb, sein Reich. Im Korb war er Monster, ein 3 Meter großer Riese, der es mit allem und jedem aufnahm. Auf den Radwegen bellte er den Weg frei:  Alle mal abhauen, jetzt kommen wir.  

 

Heute ist er nicht mehr Co-Pilot hinter mir, sondern Beifahrer neben mir. Im meinem Jumpy hat er einen schicken Hundesitz auf der Beifahrerseite. Dort könnte er sich während der Fahrt ganz gemütlich in die Kissen kuscheln. Will er aber nicht. Meinen Fahrkünsten hat er schon auf dem Fahrrad nie getraut, aber jetzt in unserem „großen“ Wohnmobil?  Statt sich zu entspannen  hechelt er vor Aufregung. Da helfen weder Pheromone noch Bachblüten-Rescue-Tropfen. Nach spätestens 2 Stunden Fahrt hat er mich weichgekocht und mein schlechtes Gewissen so hochgefahren, dass ich auf einen Rastplatz fahre. Dort ist sofort jede Aufregung vergessen und er schaltet seine Nase in den Ekelzeugsuchgang. 

 

Tja, auf einer Reise kann man was erleben, besonders mit Krümel. Aber auch heute noch ist er ein Superreisekamerad, der mir sogar verzeiht, dass ich ihm wiedermal das bequeme Sofa unterm Hintern weggezogen habe und ihn auf eine lange Reise verschleppe. Er verzeiht mir alles, Hauptsache er ist bei mir, und jetzt unterwegs sogar 24 Stunden am Tag. 

Regina

Ich werde in ein paar Monaten 67 Jahre alt und bin seit rund 3 Jahren Rentengenießerin ohne Reue und  Gewissen. Der ganze Stolz gilt meinen 4 Kindern, die zu liebenswerten und lebenstüchtigen Menschen geworden sind. Eine große Freude bereitet es mir, meine 4 Enkel heranwachsen sehen zu dürfen ( ganz ohne Anstrengung und Arbeit) . Ich habe im Leben viel gearbeitet, aber immer wieder auch herrliche Reisen in ferne Länder machen können.  Die letzten 10 Berufsjahre waren intensiv, keine Zeit zum Reisen. Doch der Job als Lokaljournalistin entwickelte sich  schnell zu einer Abenteuerreise durch den Mikrokosmos Büdingen/Wetteraukreis und machte mir soviel Spaß, dass ich die schlechte Bezahlung mit Freude an der Arbeit wenigstens teilweise  kompensieren konnte.

 

Das Reisen hab ich mir für die Rente aufgehoben. In Vorbereitung auf die viele freie Zeit hatte ich mich bei der Seniorenwassergymnastik, in einem Fitnessstudio und einem Spanischkurs bei der VHS angemeldet und schon mal Reisepläne geschmiedet. Dann kam ein Virus und die Welt wurde eine andere. Statt mich lustig mit anderen Rentnern zu vergnügen, saß ich alleine zu Hause. Wenn ich nicht noch einen Minijob gehabt hätte, der mich unter die Leute gebracht und mir beim Sparen für ein kleines Wohnmobil geholfen hat, wäre ich alleine in meiner Bude eingegangen. 

 

Flucht

 

Schon im Normalzustand ist es mit Rentnern und Senioren in Deutschland  nicht  lustig. Die bevorzugten Gespräche: künstliche Hüften, künstliche Kniegelenke, Herzschrittmacher, Arztbesuche, Schmerzen und Medikamente. Die generelle Richtung der Mundwinkel: Süden. Ja schnell bekommt man den Eindruck: Altwerden ist eine schwere Krankheit. 

 

Schon als Kind hab ich im Schwimmbad die Gegenstromanlage geliebt, und das mache ich auch im Leben nicht anders. Ich lass mich doch von so ein paar doofen Jahreszahlen nicht runterziehen und zum Arzt kriegt mich so schnell keiner. Wenn`s mal soweit ist, beiß ich lieber mit eigenen Knien, Hüften etc. ins Gras und um sie richtig schön abzunutzen, bewege ich die Dinger sooft ich kann. Und last but not least, bevor sich meine Mundwinkel endgültig Richtung Süden absenken, fahr ich da jetzt lieber komplett hin, Virus hin oder her.

Jumpy

Zuhause – dieses Wort hat für jeden eine andere Bedeutung. Für den Einen ist es die gemütliche kleine Vorstadtwohnung mit Balkon und Aussicht auf Felder und Wiesen, für den anderen die Villa mit Vorgarten, Swimmingpool und Dienstmädchen.

 

Mein Zuhause ist weiß, hat vier Räder und 140 PS unter der Haube und im Inneren alles was man zum Leben braucht. Mein Vorgarten ist überall dort, wo ich gerade bin, muss ihn noch nicht mal pflegen. Meine Aussicht ist oft grandios – Berge, Seen, Meere – Natur.

 

Es war keine Liebe auf den ersten Blick, eigentlich wollte ich einen anderen Kastenwagen, doch der Verkäufer hat mir nicht gefallen. Mein Roadcar war anfangs ein Kompromiss – und wie das manchmal passiert – ist aus dem Kompromiss die große Liebe geworden.

 

Wenn ich ihn sehe, klopft mir das Herz vor Freude und ich würde am liebsten hineinspringen und sofort losfahren. Er ist nur 5,40 Meter kurz und lässt sich fahren wie ein normales Auto. Wir kommen um jede Kurve und durch jede schmale Straße. Es ist einfach ein Genuss, mit ihm durch die Welt zu fahren.

 

Auf den Stellplätzen dagegen, bietet er mir jeden Komfort – ein superbequemes, kuscheliges Bett, eine Küche zum Kochen und ein Bad für das Notwendige. Wenn ich an meinem Tisch sitze und am Computer arbeite, kann ich vorne durch die Windschutzscheibe beobachten, was draußen so los ist. Besser noch, wenn ich zum Beispiel an einem Yachthafen wie in Dänemark stehe, habe ich grandiose Ausblicke auf die Segelboote.

 

Das Allerbeste aber ist, Jumpy bringt mich überall dorthin wo es mir gerade gefällt, und wenn`s mir nicht mehr gefällt oder die Leute nerven? Na dann geht`s eben weiter, wir haben ja vier Räder.

Wir suchen:

 Sonnige Gemüter im sonnigen Süden

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© Regina Krinke